Menschen für Pferde - gegen Dülmens Panikspektakel

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Es ist wieder soweit ! Der Wildpferdefang – das jährliche Schauspiel im Merfelder Bruch, Dülmen (NRW) Die Jährlingshengste der Wildpferdeherde des berühmten Merfelder Bruchs in Dülmen werden wieder gefangen, mit einem Brandzeichen versehen und anschliessend versteigert. Ein jährliches Spektakel, welches tausende Besucher in die Arena des Parks strömen lässt. Volksfeststimmung ist garantiert. Doch es gibt da ein Problem ! Die Fakten Das Dülmener Wildpferd ist seit Jahrhunderten in der Umgebung des Merfelder Bruchs beheimatet. Ohne die Errichtung des noch heute bestehenden Reservats durch Herzog Alfred von Croy im Jahre 1847 wäre dieses einzigartige Pferd sicherlich schon ausgestorben. Seinem Engagement und dem seiner Nachfolger ist es zu verdanken, dass die letzte Wildpferdeherde bis heute ursprünglich, wild und autark leben kann. Aufgrund der Tatsache, dass der Bestand einer gesunden Herde selbstverständlich wächst und das Reservat des Merfelder Bruchs nur eine gewisse Raumgrösse zur Lebenssicherung und natürlichen Ernährung der Tiere zur Verfügung hat, taucht ein Problem auf. Wohin mit den Jungtieren? Junghengste, die in der Wildbahn die Geschlechtsreife erlangen, werden von den Leithengsten auch hier vertrieben. Innerhalb der strengen hierarchischen Ordnung in einem Herdenverband wird keinerlei heranwachsende Konkurrenz geduldet. Letztendlich müssen Junghengste den Familienverband verlassen und sich eine eigene Herde in fremdem Territorium erkämpfen. Diese natürliche Verhaltensweise würde im Angesicht des nicht vorhandenen Platzes im Merfelder Bruch in dauerhaften Rangordnungskämpfen und unweigerlich auch in erbitterten Todeskämpfen enden. Aus diesem Grund ist eine Regulierung der Herde unbestritten notwendig. Die Veranstaltung Jedes Jahr Ende Mai wird die Herde des Bruchs zur Zuschauer-Arena des Reservates getrieben und die Junghengste werden dort unter dem Getöse tausender Zuschauer eingefangen und mit einem Brandzeichen versehen. Die anschließende Versteigerung dieser Jungtiere gehört zum Ablauf der festlichen Veranstaltung. Volksfestliches Spektakel mit Applaus. Es wurde dafür eine Arena für 25.000 Zuschauer gebaut. Aber man sollte es schlicht nicht für möglich halten, dass das, was dann über Stunden abläuft, angesichts des deutschen Tierschutzgesetzes überhaupt möglich ist. Nachdem das Rahmenprogramm gelaufen ist, wird die Herde am Nachmittag in die Arena getrieben. Die Aufregung der Zuschauer steht der der Pferde um nichts nach. Pferdekenner erkennen anhand der Ohrenstellung und der Mimik der Pferde sofort, dass sie unter Angst und Stress stehen. Die ganz jungen Fohlen werden in dem Chaos von ihren Müttern getrennt und laufen Gefahr, von der Herde in vollem Galopp umgerannt zu werden. In dem großen Gehege am Ende der Arena, wo die Pferde, die nicht gefangen wurden, untergebracht werden, wird es zwangsläufig immer voller. In dem Gedränge kreisen die Pferde panisch umher und beißen und treten sich gegenseitig. Die jungen, panischen Pferde werden einem Heissbrand unterzogen. Es wird eine Verbrennung dritten Grades verursacht, die erhebliche Schmerzen mit sich bringt, welche über Tage anhalten. Das Problem Wir bestreiten in keinster Weise die Notwendigkeit der Regulierung des Bestandes…ABER: Als Organisationen, die sich dem Schutz der Tiere, jedes einzelnen Individuums verschrieben haben… können wir nicht anders handeln, als das jährliche Volksfesttreiben beim Fang der Junghengste zu verurteilen. Pferde sind sehr sensible Fluchtiere, die bekanntermaßen nur allzu leicht in Panik geraten. Das Treiben in eine laute Arena, das Getöse einer derart grossen Menschenmenge, das Trennen unter solch stressbehafteten Bedingungen vom Herdenverband, das völlig unnötige, gewaltsame Niederreißen jedes einzelnen Jungpferdes und das überflüssige, schmerzhafte Anbringen eines Brandzeichens haben mit Tierschutz und Achtung vor dem Tier Nichts gemein. Der damit verbundene Schmerz, der hohe Stressfaktor und die neue Situation versetzen die Tiere definitiv in nackte Angst und panischen Schrecken, in einen traumatischen Zustand! Innerhalb dieser kollektiven Massenpanik neigen diese sensiblen Tiere zu blinder Hysterie, in der keine Rücksicht auf niedergetrampelte Fohlen, trächtige Stuten oder schwächere Tiere genommen wird. Hier steht der Spaß des Menschen, das Vergnügen an einer actionreichen Show wieder wie so oft über dem Wohl eines empfindsamen und schutzlosen Mitgeschöpfes. Letztendlich findet im Veranstaltungsrahmen eine öffentliche Verlosung und Versteigerung der Junghengste statt, die ihnen eine ungewisse Zukunft beschert, von der man nicht behaupten kann, dass ein artgerechtes Weiterleben möglich ist. WUSSTEN SIE..... - dass es auch geeignetere Methoden dazu gibt, um die Kopfzahl konstant zu halten. In den USA werden bereits erfolgreich (reversible) Sterilisationsmethoden angewandt. - dass der Umgang mit den Jährlingen ein Initialtrauma* verursacht - dass das Brandzeichen eine Brandwunde dritten Grades verursacht! Die Dülmener preisen es zudem als "Gütesiegel" an. Schmerz und Stress pur. - dass die kleinen Fohlen durchaus von der Herde umgerannt werden, sich schwere Verletzungen zuziehen können. - dass trächtige Stuten mit gehetzt werden (was in den USA zu schon zu Fehlgeburten geführt hat). - dass Kinder direkt vom Ansager angesprochen werden, damit die Eltern/Großeltern ihnen Lose kaufen. Damit werden Wünsche geweckt. Außerdem, sollte man ein Tier verlosen bzw. als Preis aussetzen? * "Initialtrauma" Aus: Margit Zeitler-Feicht "Handbuch Pferdeverhalten": "Als Ursache für das erstmalige Auftreten einer Verhaltensstörung dürften vor allem einschneidende Ereignisse im negativen Sinne in Frage kommen (Radke 1985, Sambraus und Rappold 1991). Als ein solches "Initialtrauma" wurden nachgewiesen: plötzliches Absetzen von der Mutterstute, Trainingsbeginn von heute auf morgen, Überforderung in der Ausbildung oder krasse Haltungsänderungen (Umstallung in einen Boxenstall nach vorausgehender Gruppenhaltung mit Weidegang) oder eine vorübergehende krankheitsbedingte Isolation bzw. längere Boxenruhe. Diese abrupten Veränderungen zum Schlechteren wirken sich besonders tiefgreifend aus, wenn sie während der Jugendentwicklung stattfinden." Nordrhein-Westfalens Umweltminister Eckhard Uhlenberg wurde bisher mehrfach über die Vorgänge informiert und gebeten, Verbesserungen im Umgang mit den Pferden zu erreichen. Im Jahr 2005 verbot das Bundesland bereits das vom Rodeo bekannte „Wild Horse Race". Was in Dülmen passiert, steht dem „Wild Horse Race" in Nichts nach! Wir fordern im Sinne der Tiere: - dass die Verantwortlichen und auch die Besucher diese Form der tierquälerischen Massenveranstaltung abschwören, endlich ein Umdenken zugunsten der Tiere stattfindet - dass die Achtung vor den Tieren definitiv über dem zirkusartigen Spektakel zu stehen hat dass der Verbleib der einzelnen Tiere genauestens überwacht werden muss - dass es hier einzig und allein um das Wohl der Tiere gehen muss, die man in diesem Reservat zu schützen und zu erhalten versucht - dass jedes einzelne dieser Pferde ein Recht auf Unversehrtheit hat, sowohl seelisch wie auch körperlich - dass das völlig unnötige und tierquälerische Brandzeichen als Werbesiegel endlich abgeschafft wird - dass zusammen mit Organisationen, die im Bereich Tierschutz tätig sind, neue, bessere Wege gefunden werden… Wir bieten jede mögliche Unterstützung an! Und wir fragen uns immer noch : Warum verschwindet die Achtung gegenüber einem Tier bei Betreten dieser Arena? Wir fordern dahingehend jede Organisation & jede Privatperson, die unseren offenen Brief unterstützen möchte auf, sich mit ihrer Unterschrift an der Kampagne zu beteiligen. Wir werden die Stimmen gegen das tierquälerische Spektakel den Veranstaltern offiziell übergeben. Pferdehilfe Sonnenhof e.V. animal-peace Tierhof e.V.
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