Eine neue Kunstform entsteht vor unseren staunenden Augen im Internet, noch völlig ohne öffentliche Förderung: die Kultur-Online-Petition.
In hochemotionaler Weise werden Mißstände künstlerisch verarbeitet wie die Unterfinanzierung von Millionendefiziten, die bedauernswerten Arbeitsbedingungen deutscher Opernchorsänger, Orchestermusiker und Intendantenreferentenstellvertreterassistenten, die Unterbelichtung von Regiekonzeptdefiziten. Der staunende Bürger, der vorher noch nie ein Kulturgut von innen gesehen hat, wird konfrontiert mit Auslastungen (geht hoch bei reduziertem Platzangebot und Ausgabe vieler Freikarten), Umwegrentabilität (teure Inszenierungen unterstützen den Frisörsalon, den gehobenen Italiener und die Nobel-Boutique), Bildungsauftrag (Schulklos werden wg. Baufälligkeit geschlossen, die Kids pinkeln auf dem Theaterklo). Der Bürger ist betroffen, unterschreibt, kommentiert und wird so selbst unsterblicher Teil des ewig um sich kreisenden Cyberspaces.
Um die künstlerische Qualität von Kultur-Online-Petitionen weiterhin zu gewährleisten, appellieren wir an die Bundesregierung, diese nachhaltig aus Mitteln der Bundeskulturstiftung zu unterstützen.