Wien wächst. Und wird dabei immer älter.
Die aktuell stattfindenden demografischen und sozioökonomischen Veränderungen stellen in zunehmendem Maße Fragen nach der Leistbarkeit und Qualität des Wohnens:
In welchem Umfeld wollen wir im Alter wohnen?
Wie kann ich mich im Alter aktiv einbringen und an meiner unmittelbaren Umgebung Teil haben?
Welche Rolle kann dabei Solidarität spielen?
Wie können verfügbare Wohnflächen und Energie ökonomisch und gerecht verteilt werden?
Gemeinschaftliche Wohnformen sind eine Antwort auf diese Fragen, denn sie sind
- eine Alternative zu Vereinsamung und Isolation;
- eine Ergänzung zur individuellen Abhängigkeit von Familie und institutionalisierten Fürsorgeeinrichtungen;
- eine Möglichkeit für die Stadt, Wohnfläche gerecht zu verteilen, mit Energie ökonomisch umzugehen und damit insgesamt zur Ressourcenschonung beizutragen;
- ein Beitrag zur Minimierung von Pflegekosten durch aktive Hilfe zur Selbsthilfe in kleinen Gemeinschaften.
- Darüber hinaus können sie Anstoß zu mehr Aktivitäten, Partizipation und lebenslangem Lernen geben und die Gesundheit jeder- / jedes einzelnen fördern.
2012 ist das Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen.
Viele ältere Menschen leben allein in großen Wohnungen. Oft von mobilen Diensten betreut entstehen Lebenssituationen, die für die Betroffenen schnell zu Vereinsamung und Abhängigkeit führen. Neben der Beeinträchtigung des persönlichen Wohlbefindens wird der Großteil der Pflegeleistungen durch die am nächsten stehenden Angehörigen bewältigt, in den aller meisten Fällen durch die zumeist schlechter verdienenden Frauen der Familien. Ein Ausweg aus dieser Situation ist die Möglichkeit, selbst bestimmt und als Teil einer Gruppe zu leben. Speziell im Alter ermöglicht dies eine Sinngebung und trägt nachweislich zum Wohlbefinden bei. Mobile Dienste oder Besuche von TherapeutInnen können effizienter eingesetzt werden, zugleich ermöglicht die Gemeinschaft verstärkte Aktivitäten im Wohnumfeld. Sie ist sinnbildlich für ein Verständnis von Stadt, das Kooperationen, Synergien und aktive Teilhabe fördert. Zudem steht eine gemeinsame Nutzung von Räumen auf der städtischen Ebene für eine höhere Energie- und Flächeneffizienz.
Anknüpfend an vorliegende positive Erfahrungen aus generationenspezifischen Projekten, wissenschaftlichen Studienergebnissen zu dem Thema und einer steigenden Nachfrage an gemeinschaftlichen Wohnformen im städtischen Raum wollen wir zusammen mit der Stadt Wien eine zeitgemäße Strategie entwickeln, die diesen Möglichkeiten entsprechen kann. Dazu ist es notwendig, dass die Stadt Wien der Unterstützung von gemeinschaftlichen Wohnprojekten für Ältere bzw. Alt und Jung im Bestand – das heißt: in der Stadt - die angemessene Aufmerksamkeit widmet und diese auch adäquat fördert. Voraussetzung dafür ist die Finanzierung einer Anlaufstelle für die Bewerbung, Koordinierung und Vernetzung derartiger Projekte.
Wir fordern die Förderung gemeinschaftlicher Wohnprojekte für Ältere bzw. Alt und Jung innerhalb der Stadt Wien auf regulativer und finanzieller Ebene.
Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen, Wien
Mai 2012